Ronaldo

Immer wieder spricht Cristiano Ronaldo davon, dass er gewinnen will. Er will der beste Fußballer der Welt sein. Champions-League-Sieger. Europameister. Weltmeister. Man könnte meinen, der Erfolg sei seine eigentliche Religion, aber ist der Sport nicht eigentlich die Essenz des Kampfes um Erfolg? Nirgendwo kommt dieses Streben deutlicher zum Vorschein. Wer sich sportlich betätigt, setzt sich automatisch zum Ziel, erfolgreich zu werden. Wer ins Fitnessstudio geht, will einen schönen Körper. Wer läuft, will eine gute Ausdauer. Wer Fußball spielt, will Tore schießen und Titel gewinnen.

Voraussetzung für den Sportler ist also, den Amerian Dream zu verinnerlichen. Wenn du es willst, wenn du dich aufreißt, dann kannst du es schaffen. Ohne diese Denkweise ergibt das Sport-Machen wenig Sinn.

Dadurch stellt sich die Frage: Was ist der American Dream eigentlich? Wohin führt er? Das Problem, das ich mit dem American Dream habe, ist der, dass er in der Lage ist, den Menschen zu einer funktionierenden Maschine umzuformen. Ohne Zweifel, ohne Reflexion, ohne Skrupel. Dementsprechend wirken die großen Sportler auf mich manchmal wie Maschinen, wie Supermenschen, denen körperlich fast alles zu gelingen scheint, während ich mir immer wieder meiner physiologischen Begrenztheit bewusst werde.

Wir sehen in der Cristiano Ronaldo gewidmeten Dokumentation Menschen, die in Tränen ausbrechen, wenn ein Verein, den sie anfeuern verliert. Menschen, deren Freude keine Grenzen kennt, wenn der Verein ihrer Wahl gewinnt. Obwohl auch ich jemand bin, der in der Bundesliga einen bestimmten Verein anfeuert, frage ich mich, woher diese Freude herkommt. Wie kommt es, dass wir zu einem bestimmten Verein so viel Sympathie empfinden und dadurch stellt sich auch die Frage: Wieso kämpfen Spieler so unerbittlich für den Erfolg eines Vereins? Was treibt sie an? Meinen sie es wirklich ernst, wenn sie sich nach dem Sieg „für das Team freuen“? Oder geht es nicht doch nur um die Süße des Erfolgs?

Das Faszinierende am Fußball (und am Sport generell) ist die Metapher für das Leben als Wettbewerb. Im Fußball manifestiert sich all der Kampf um Erfolg, dem wir uns im Leben immer wieder zu stellen haben: der Kampf um die Beförderung, der Kampf um eine gute Note, der Kampf um das Bestehen der Fahrprüfung…Im Fußball wird dieser Wettbewerb auf etwas relativ simples komprimiert: auf einen Ball, auf 22 Spieler und zwei Tore. Der Fußball ist die Vereinfachung des Lebens als Wettbewerb. Vielleicht ist das der Grund, wieso so viele von diesem Sport so fasziniert sind.

Eine etwas abgedroschene Behauptung ist ja „Er lebt den Fußball“. Aber was kann man von Ronaldo anderes behaupten, nachdem man ihn 92 Minuten kennen lernen durfte? Ich bezweifle, dass er jemand ist, der sich bei Siegen für sein Team freut. Ihm geht es meiner Vermutung nach eher um den individuellen Erfolg. Er ist jemand, der radikal sein Leben zum Wettbewerb macht. Vielleicht ist das der Schlüssel zu seinem Erfolg. So oder so: Der Mann ist ein Phänomen.

Daniel

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