Doctor Strange

Mal wieder wird ein neuer Charakter eingeführt, mal wieder wäre in einem losgelösten Umfeld die Möglichkeit zumindest vorhanden, frischen Wind in das Franchise der immerwährenden Einheitlichkeit zu bringen, mal wieder wurde genau das von überall prognostiziert – und das obwohl sich schon seit Jahren jegliche in diese Richtung gehenden Eindrücke bei Marvel-Filmen wieder und wieder als trügerisch herausgestellt haben. Wer soll den Job übernehmen? Scott Derrickson (bisher bekannt für Horrorfilme, die mit der Prämisse von Doctor Strange kaum mehr als das Paranormale gemeinsam zu haben scheinen) heißt der Regisseur, Christopher Nolan heißt sein seit dem ersten Trailer gemutmaßtes Vorbild, dessen bedauerlicherweise bisher schlechtesten Filme Pate standen für Doctor Strange: Traumbaukasten Inception und Standard-Superhelden-Origin Batman Begins. Dass diese beiden ein viel zu eintöniges Fundament darstellen würden, hat Derrickson wohl verstanden und geht noch einen Schritt zurück zu einem von Nolans Vorbildern, um den guten Doktor im Sekundentakt durch bunte kosmische Tunnel schleudern zu können – die mit der Ruhe und Poesie eines 2001 nicht das Geringste gemeinsam haben. So verkommen die Welten, durch die Cumberbatch gehetzt wird, zu einem Kollateralschaden nicht nur ihres eigenen überladenen Designs, sondern auch des Filmtempos und des hektischen Schnittes, die es gar nicht erst zulassen, zumindest vereinzelte kreative Einfälle auf den Zuseher wirken zu lassen. Dass die einzige tatsächlich an M.C. Escher (mit dem der Film im Vorfeld von einigen verglichen wurde) erinnernde Einstellung gerade mal für eine Sekunde verbleibt, lässt daran zweifeln, ob Derrickson sie wirklich bewusst an ihn anlehnen wollte, geschweige denn, ob er überhaupt weiß, wer Escher ist.

Wenn dann doch etwas durchscheint, dann sind das Derricksons Anleihen aus dem ihm bekannten Horrorgenre, sieht man sich die an generischen Sektengrusel erinnernde Anfangssequenz oder das Meer aus Händen an, theoretisch sogar die Szenen, in denen Cumberbatch als Geist herumschwebt. Wie sollte es auch anders sein, ist er hier ja auch als Schauspieler nichts weiter als ein Geist seiner selbst, von der Verheizung Swintons und Mikkelsens ganz zu schweigen. Die altbekannte Marvel-Firmenpolitik schreckt eben auch diesmal vor nichts zurück, um jegliche Individualität zugunsten der immer gleichen Figurenzeichnung, der immer gleichen Inszenierung samt Soundkulisse und des immer gleichen erzwungenen Humors auszumerzen. Und die Reaktionen, auf die das beim Publikum stößt, sind natürlich auch wie immer die gleichen.

Lukas

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