Chasing Amy

Dwight Ewell hält eine Rede gegen Rassismus in der Nerdkultur. Als er auf Widerspruch stößt, holt er kurzerhand eine Knarre hervor und läuft Amok – Alles nur Show, wie sich herausstellt, zur Vermarktung seines „White Hatin‘ Coon“-Comics. Kevin Smith bringt sein mehr als verzerrtes Weltbild bereits in den ersten 10 Minuten auf den Punkt: Das Ankämpfen gegen Unterdrückung ist natürlich nie ernstgemeint und muss ins Lächerliche gezogen werden, anscheinend weil es sowas wie Unterdrückung wohl gar nicht gibt. Natürlich würde man den Sachverhalt mit der Behauptung über Smith, diese gänzlich zu verleugnen, dann doch wieder nicht exakt treffen, handelt es sich bei Chasing Amy doch eigentlich um nichts anderes als eine lächerliche, wutbürgerliche Empörung über etwas, das Smith vermutlich unter dem Begriff „Unterdrückung“ zu verstehen scheint: Er fühlt sich allem Anschein nach als weißer Mann unterdrückt, unterdrückt von einem Wesen namens „Frau“, das es doch in Gestalt von Alyssa tatsächlich wagt, sich ihm (beziehungsweise seinem Alter Ego Holden McNeil, die mit Abstand schlechteste je von Ben Affleck verkörperte Rolle) nicht gänzlich hinzugeben, sich generell keinem Mann hinzugeben, sondern eigene sexuelle Erfüllung bei anderen Frauen zu finden.

Smith, für den funktionierende Sexualität einzig und allein Penetration darzustellen scheint, inszeniert diesen Umstand als geradezu skandalös und macht diesen (Nicht-)Film zu einem dauerhaften Zwang zur Penetration. Penetration durch Worte, durch manisches Nachhaken und Fordern einer Erklärung seitens Alyssa, ohne ihre Sexualität jemals als selbstverständlich hinnehmen zu können.

Inszenatorisch ist diese Ansammlung an leblosen Bildern aus der Welt zweier patriarchalischer Protagonisten, die Smith tatsächlich als sympathisch verkaufen will, auf Sitcom-Niveau. Was dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt, ist allerdings schlussendlich das erzkonservative Slutshaming, das er betreibt, als herauskommt, dass Alyssa doch vor Holden schon mit anderen Männern geschlafen hat. Hysterisch regt er sich auf über ihre sexuellen Abenteuer, verteufelt geradezu ihre Experimentierfreudigkeit, sich an einem Umstand aufhängend, der eigentlich in keiner auch nur ansatzweise aufgeschlossenen Weltanschauung ein Problem darstellen dürfte: Ja, Kevin, man kann auch mit zwei Männern zugleich schlafen. Deal with it.

Lukas

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