La La Land (2017)

Auf den Spannungen zwischen Genre und Epoche stapelt Chazelle seine Auszeichnungen. Auf der breiten Fläche aus klassischem Musical und Postmoderne ist schließlich genügend Platz dafür, eine stabile Brücke verbindet sie, für jeden Fleck findet er einen Weg, ihn zu füllen. Sein Film ist Wiederbelebung und Entwicklung des klassischen Musicals zugleich, die mit Brüchen in der Postmoderne liebäugelt. Beiläufig werden Monogamie, Eskapismus und Selbstreflexivität herausgekramt und dürfen in neuem Licht erstrahlen. Erstere beiden bleiben aber unangetastet, Chazelle sitzt in einem Ledersessel und redet rauchend auf den Zuschauer ein: „Vergesst diese pessimistische Negation der vergangenen Jahre, Selbstreflexion und Selbstkritik führen schlussendlich doch nur zur Selbstzerstörung, sieh mal, wie ich dieses Zelluloid vor ihren Augen verbrennen lasse.“ Selbstreflektiert wird deshalb nur inhaltlich, im Showbusiness-Milieu porträtiert Hollywood sich selbst, und in der Komposition, die sich auf die Lauer legt, sein Ziel beobachtet und im richtigen Moment mit dem filmischen Realismus bricht.

Es ist dieses Brechen, das die Postmoderne so bitter nötig hatte, so festgefahren wie sie durch die 2010er humpelt. Da lugt das klassische Musical um die Ecke, konstruiert sich eine eigene Diegese und präsentiert stolz ihre Phantasiewelt. In dieser kann jeder sofort seine Gefühle in Gesang und Tanz präsentieren, es liegt in der Luft, in dieser können ununterbrochene Kamerabewegungen so wunderschön expressionistisch sein. Da kann es schon mal passieren, dass auf der Autobahn in strahlender Sonne ein Ohrwurm geschmettert wird, der Film sich aber Winter wünscht, sich diesen Wunsch erfüllt und mit einem Zwischentitel den Zuschauer darauf hinweist. Nun will er Figuren einführen, die Kamera soll sich nach unten bewegen, schon können Figuren eingeführt werden. Und das alles in einer ununterbrochenen Bewegung. Jede der beiden Figuren bekommt eine eigene Sequenz, die nicht gewohnt parallelmontiert wird, sondern blockartig hintereinander gestellt werden. Der Film wiederholt Zeit für seine Figuren, er staucht Zeit für seine Figuren, er dehnt Zeit für seine Figuren, in dieser expressiven, unaufgeregten Phantasiewelt.

Chazelle schlägt die Beine übereinander: „Wissen sie, wir brechen mit dem filmischen Realismus, da kann man doch auch ein Bewusstsein, für dessen Künstlichkeit entwickeln, oder? Das echte Leben brennt einem ja nicht vor der Nase weg. Da wäre es doch toll, wenn ich einen Zwischentitel nehme und ein Bild darunter lege, dass nicht diesem entspricht. Jeder ist verwirrt, in Panik, der Witz an der Sache, am Ende ist es eine Kulisse, die provokant weggeschoben wird. Ach, der Film und seine maschinelle Reproduktion der Wirklichkeit. Da fällt mir ein, ich sollte Theater zeigen und ein Sinnbild für die filmische Perspektivtät hineinschmuggeln. Brüller.“

Dominik

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