2001: Odyssee im Weltraum

So schweigt mir doch von allen Göttern! Wohl aber könntet ihr den Übermenschen schaffen. Nicht ihr vielleicht selber, meine Brüder! Aber zu Vätern und Vorfahren könntet ihr euch umschaffen des Übermenschen: und Diess sei euer bestes Schaffen!

Wenn es ein Thema, einen roten Faden bei 2001: Odyssee im Weltraum gibt, dann ist es das Streben nach etwas Übermenschlichem, nach der Erweiterung der eigenen Möglichkeiten, sprich: nach Evolution. Sowohl der Affe, der lernt, den Knochen zum Nahrungserwerb und zur Selbstverteidigung zu nutzen, als auch die Wissenschaftler, die versuchen, den Monolith zu verstehen und greifbar zu machen (im Film ist später von „intelligentem Leben“ die Rede, eine Möglichkeit, zur Außenwelt Kontakt aufzunehmen, um die eigenen Grenzen auszuweiten?), als auch Dave Bowman, der sich in eine Anders-Welt begibt, um am Ende (als Übermensch?) doch nur wiedergeboren zu werden.

Bemerkenswert an dem Film hierbei ist jedoch, wie ambivalent er seine Thematik behandelt, verdeutlicht er doch, dass eine Weiterentwicklung auch immer mit (Selbst-)Zerstörung verbunden ist: auf der einen Seite der Menschenaffe, der es schafft, sich selbst und seine Umgebung zu beschützen und zu versorgen, hierfür aber morden muss, auf der anderen HAL 9000, eine von Menschen geschaffene hyperintelligente Technologie, dessen Ego zerstörerische Ausmaße annimmt. Ironisch ist hierbei, dass ein Ego, etwas allzu menschliches, bei einer Maschine zum Vorschein kommt. Je menschlicher der Mensch seine Technologie erschafft, desto zerstörerischer die Ausmaße, hat die Technologie am Ende mehr Macht als der unvollkommene Mensch.

So ist das Ende von 2001: Odyssee im Weltraum so triumphal wie tragisch: Wurde am Ende der von Nietzsche geforderte Übermensch erschaffen oder doch etwas halb-menschliches, das seine Macht ähnlich zerstörerisch nutzen wird wie vor ihm HAL? Wenn letzteres der Fall ist, stellt sich die Frage, ob man besagtes Wesen auch einfach so abschalten kann.

In jedem Fortschritt steckt auch ein Rückschritt und in jedem Rückschritt ein Fortschritt. Wenn es etwas gibt, was ich aus dem Film mitnehmen kann, dann das. Nach wie vor ein übergroßer Film.

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