La La Land (2017)

Auf den Spannungen zwischen Genre und Epoche stapelt Chazelle seine Auszeichnungen. Auf der breiten Fläche aus klassischem Musical und Postmoderne ist schließlich genügend Platz dafür, eine stabile Brücke verbindet sie, für jeden Fleck findet er einen Weg, ihn zu füllen. Sein Film ist Wiederbelebung und Entwicklung des klassischen Musicals zugleich, die mit Brüchen in der Postmoderne liebäugelt. Beiläufig werden Monogamie, Eskapismus und Selbstreflexivität herausgekramt und dürfen in neuem Licht erstrahlen. Erstere beiden bleiben aber unangetastet, Chazelle sitzt in einem Ledersessel und redet rauchend auf den Zuschauer ein: Weiterlesen

Dogville

Natürlich wäre es in dem Wissen, das Dorf Dogville als symbolisches Amerika einordnen zu können, naheliegend, die Rolle der Grace unter Zwang zu körperlicher Arbeit für Mindestlohn sowie unter entgegenschlagender Anfeindung als die des Einwanderers in den Vereinigten Staaten zu sehen, jedoch stellt das Anwenden einer derartigen Metapher bereits eine zu große Distanz zum Geschehen her. Eine Distanz, welche die Möglichkeit gibt, sich in der Gewissheit, hier etwas politisch Relevantes gesehen zu haben, zurückzulehnen; dabei aber an der zutiefst persönlich offenbarenden Wirkung, die Dogville bietet, vorbeizuarbeiten. Weiterlesen

Six Feet Under

Wenn ich mir diverse Kommentare und Texte zu Six Feet Under durchlese, dann fällt mir auf, wie viele vor dieser Serie kapitulieren und sich zu ihrer Unfähigkeit bekennen, die Serie und das, was sie mit ihr erlebt haben, in Worte zu fassen. Ein ziemlich verständliches Gefühl, denn Six Feet Under ist so universal, dass es einem schwer fällt, seine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei ausschweifend zu werden. Weiterlesen

Chasing Amy

Dwight Ewell hält eine Rede gegen Rassismus in der Nerdkultur. Als er auf Widerspruch stößt, holt er kurzerhand eine Knarre hervor und läuft Amok – Alles nur Show, wie sich herausstellt, zur Vermarktung seines „White Hatin‘ Coon“-Comics. Kevin Smith bringt sein mehr als verzerrtes Weltbild bereits in den ersten 10 Minuten auf den Punkt: Das Ankämpfen gegen Unterdrückung ist natürlich nie ernstgemeint und muss ins Lächerliche gezogen werden, anscheinend weil es sowas wie Unterdrückung wohl gar nicht gibt. Natürlich würde man den Sachverhalt mit der Behauptung über Smith, diese gänzlich zu verleugnen, dann doch wieder nicht exakt treffen, handelt es sich bei Chasing Amy doch eigentlich um nichts anderes als eine lächerliche, wutbürgerliche Empörung über etwas, das Smith vermutlich unter dem Begriff „Unterdrückung“ zu verstehen scheint: Weiterlesen

Doctor Strange

Mal wieder wird ein neuer Charakter eingeführt, mal wieder wäre in einem losgelösten Umfeld die Möglichkeit zumindest vorhanden, frischen Wind in das Franchise der immerwährenden Einheitlichkeit zu bringen, mal wieder wurde genau das von überall prognostiziert – und das obwohl sich schon seit Jahren jegliche in diese Richtung gehenden Eindrücke bei Marvel-Filmen wieder und wieder als trügerisch herausgestellt haben. Wer soll den Job übernehmen? Weiterlesen

The Terminator

In welche Schubladen Cameron-Filme gesteckt werden, ist nicht nur bei Titanic interessant, sondern vor allem im direkten Vergleich zwischen diesem und dem ersten Terminator zeigt sich, welch bemerkenswerten Einfluss bestimmte Genre-Settings auf die Wirkung eines Films haben können. Denn so umstritten wie Cameron für sein romantisches Drama vor historischem Hintergrund ist, so gefeiert ist er für seinen ersten Erfolg damals im Science-Fiction- und Action-Genre, dessen allgemein anerkannter Status als Parabel auf die Industrialisierung wohl in den meisten Fällen nur unüberlegt aus der generellen Thematik geschlossen worden sein dürfte, um an einem (eigentlich uninteressanten und hier gar nicht mal nötigen) Subtext die Qualität des Films begründen zu können. Ironisch ist das, wenn man sich ansieht, wie ähnlich die beiden in ihren Grundsätzen völlig verschieden wirkenden Filme konstruiert sind: Weiterlesen

One More Time With Feeling

Wenn Nick Cave zu Wort kommt, wirkt er unsicher, so als würde er eigentlich nicht reden wollen. Als würde er nicht das Gefühl haben, dass er durch das Reden das, was in ihm tobt, zum Ausdruck bringen kann. Wenn wir ihm dann beim Musik machen zuschauen, wenn er durch seine Stimme, durch seinen Gesang Gefühlslandschaften erschafft, dann merken wir, wieso er diese Form von Unsicherheit in Interviews ausstrahlt. Weiterlesen

Der müde Tod

Der erste Weltkrieg nahm massiven Einfluss auf die folgend produzierten Filme. Werke wie Im Westen nichts Neues dekonstruierten den Krieg in seiner Gewalt und dem Zwischenmenschlichen, während der deutsche Expressionismus den fantastischeren und poetischeren Weg einschlug. Die Wahrnehmung der aufbrausenden Gefahr äußert sich in Gestalt eines Blutsaugers in F.W Murnaus Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens, die Unruhen und Wirrungen in der Nachkriegszeit äußern sich in dem abstrakten Dekor von Robert Wienes Das Cabinet des Dr. Caligari und die unsäglichen Verluste thematisiert Fritz Lang in seiner filmischen Ballade Der müde Tod.                                                                                               Weiterlesen